Jahres End- und Anfangsglück
31. Dezember 2008 | Sitten und Brauchtum
Kommentare deaktiviert | Ein Artikel von Bea
Von unserer Leserin Gabriele Hefele, aus ihrer heiteren Kolumne in der SUR-Deutschen.
Alle Medien sind zur Zeit wieder voll mit den Glücksbringertipps zum Jahresende wie Bleigießen (nordisch), rote Unterwäsche tragen (spanisch) oder das Universum um Wunscherfüllung bitten (esoterisch). Kennt man eigentlich alles zur Genüge.
Aber heute muß ich von wichtigen Regeln des Campovolkes berichten. Bauernvölker, und dazu zählen ja die Andalusier ursprünglich bzw. zum Großteil noch immer, bevor sie in den Tourismus oder die Bauspekulation einstiegen, haben eine besondere Beziehung zu Natur und Sternen, pflegen auch den so genannten Aberglauben, wobei sie vielleicht nur noch mehr Mysterien bewahrten und ein unspektakuläreres Umgehen mit Übersinnlichem pflegen.
Das klingt jetzt sehr geheimnisvoll, lassen wir Taten und Beispiele sprechen.
Letztes Jahr waren wir bei einem englischen Paar zur Silvesterparty in Genalgaucil in der Sierra Bermeja oberhalb Esteponas eingeladen. Da war noch Zeit vorher zu einem Spaziergang in den Kastanien- und Olivenhängen rund um dieses malerisch weiße Dorf. Mitten auf dem romantisch lichtdurchbrochenen Weg hüpft plötzlich ein altes Männlein zwischen den Bäumen hervor, stürzt freudestrahlend auf uns zu und schüttelt uns verdutzten Wanderern heftig die Hände. Des Rätsels Lösung: Wir wären ihm gerade ein drittes Mal begegnet heute: erst beim Aussteigen aus dem Auto, als er sich auf den Weg zu seinem Grundstück machte, dann auf dem Spazierweg hin und jetzt wieder zurück – drei Mal – das bedeute großes Glück für das kommende Jahr !
Na toll, für uns ja auch, nehme ich an ! Also laß uns schnell ins Haus zurückkehren, es nicht mehr verlassen und kräftig ins neue Jahr feiern, denn ein viertes Mal, so ergab die Befragung des Campesinos, wär nicht so gut und würde wieder alles zunichte machen. Die Vier ist eben nur in China eine Glückszahl, hier bei uns nicht.
Unser englischer Gastgeber erzählte dazu, als wir wieder zurückgekehrt waren zum heimeligen Feuer am Kamin, dass er seine wunderbare renovierte Ölmühle zwecks Finanzproblemen und abgestürztem Pfund verkaufen wolle, das war natürlich auch im Dorf schnell publik. Vor wenigen Tagen kam eine ältere Nachbarin bei ihm vorbei und warnte ihn: Man solle keine Geschäfte im alten Jahr anfangen, die man nicht auch beenden könne. Ein angefangenes Unternehmen ins neue Jahr hinüberziehen bedeute nämlich Unglück ! Was tat der Gute sicherheitshalber ? Er nahm sofort seine Mühle aus dem Immobilien-Angebot und will sie erst wieder im Frühjahr zum Verkauf anbieten.
Ich hatte aufmerksam zugehört. Ab sofort mahne ich mit diesem Hinweis alle unsere Kunden, die noch Schulden bei uns haben, was leider zwecks Krise ziemlich zugenommen hat: Also bitte noch ganz schnell bezahlen in diesem Jahr, sonst wird es nichts mit dem Glück in 2009 ! Wenn das nichts hilft – guter alter Volksglaube !

















