Kommentar von Gabriele Hefele
Viele hielten es zunächst für einen Karnevalsscherz, bis der um die Welt gehenden Sensationsnachricht nicht mehr auszuweichen war: Papst Benedikt XVI., der deutsche Papst, ist freiwillig zurückgetreten. Übrigens bestimmt bewusst gewählt von ihm der Tag, als in einer der bedeutendsten Diözesen, in Köln, „heidnischem Mummenschanz“ mit dem Rosenmontagsumzügen gefrönt wurde, die damit nachrichtentechnisch in den Hintergrund gerieten.

Unisonso ist von großem Respekt für diese erst zum zweiten Mal in der über 2.000 Jahre alten Geschichte der katholische Kirche praktizierten Entscheidung die Rede. Aber hörte man das Wort von „bedauern“? Ehrlich gesagt nicht. „Der Stellvertreter Gottes auf Erden“ war kein „Menschenfischer“, wie es Jesus von Petrus verlangte, keiner, dem die Herzen zuflogen, wie seinem polnischen Vorgänger Johannes Paul II. Josef Ratzinger war eigentlich der falsche Mann am falschen Platz mit seinem scharfen Intellekt, seiner Liebe zur theoretischen Theologie, seinen philosophischen Büchern. Er war der Hochschulprofessor, der er nach eigener Aussage gerne geblieben wäre, der nur gehorsam erst Kardinal in München und dann unbeugsamer „Großinqisitor“ in Rom wurde.
Die Größe Ratzingers liegt darin, dass er zugibt, weder geistig noch köperlich mehr diesem Amt und seinen Problemen gewachsen zu sein. Er ist gescheitert seinerzeit an der Bewältigung der Missbrauchsskandale. Es brauchte lange, bis sein Wort vom Bedauern kam – übrigens, aufgepasst, er entschuldigte sich nicht, nahm keine Schuld auf sich! Und als man ihn mit dem Geheimnisverrat seines eigenen Kammerdieners quasi im Vatikan und öffentlich vorführte, da reichte wohl auch seine Demut nicht mehr, dies zu ertragen.
Weder Karel Wojtyla noch Josef Ratzinger haben sich den drängenden Problemen der Kirche hier im Diesseits gestellt. Und ich dämpfe die Erwartungen jener, die meinen, nun wird es einen südamerikanischen oder afrikanischen Hoffnungsträger als Nachfolger geben. Dazu wurden zu wenige Kardinäle in letzter Zeit in diesem Bereich ernannt. Wie man hört, sollen die Italiener nun die Faxen dicke haben mit Ausländern auf dem Stuhl Petri und wollen wieder einen der ihren darauf wählen, der sich wenigstens mit den mafiaähnlichen Strukturen im Vatikan auskennt.