Es ist wieder einmal so weit: Die sogenannten Pilgerraupen wandern jetzt wieder die nächsten zwei Monate lang.Mit ihren Härchen können sie schwerste Allergien auslösen.

„Thametopoea pityocampa“ heißen sie im Fachausdruck der Biologen und kommen vor allem in Pinienwäldern in Mittel-und Südeuropa vor, und davon gibt es an der Costa de la Luz reichlich!
Sie sehen faszinierend aus, die haarigen bis zu etwa 60 Raupen, jede ungefähr vier Zentimeter lang, die Kopf an Hinterteil des Vorgängers von den Pinien herunter kommen und sich in einer ununterbrochenen Kette am Boden entlang schlängeln. Daher auch der Name. Sie suchen sich einen weichen Untergrund, um sich darin einzugraben und später zum Nachtfalter zu mutieren. Wer diese interessante Erscheinung aber berührt oder sich nur näher ansehen will und dabei auch noch gegen den Wind steht, der wird sein blaues Wunder erleben! Die Raupe schützt sich nämlich vor Gefahr und Angriffen, indem ihre je 60.000 weißen Härchen ein Gift enthalten, die einen schlimmen Ausschlag, zeitweise Blindheit, Atemprobleme, einen anaphylaktischen Schock bis zum Kreislaufkollaps hervorrufen können. So wehren sie sich bis zum Zeitpunkt der Verpuppung. Besonders Hunde, die neugierig daran schnüffeln sind gefährdet, aber auch Kleinkinder, die entzückt sind über diese Tierchen. Nur weil ich mich schnell genug an die Aufklärung durch unseren Gärtner erinnerte (ja, der aus meinem Buch „Mein andalusischer Gärtner“) rettete diese Information ihrer Hündin Samba das Leben. Ich sah eines Tages, wie die noch junge, unerfahrene Samba versuchte, ihre Zunge immer auf dem Boden abzuwischen, ging genauer hin und sah, dass die Zunge doppelt so dick angeschwollen war, sie sie gar nicht mehr in den Mund zurück bekam. Ich schnappte sie, es ging ab mit ihr ins Auto und zum Tierarzt, den ich unterwegs mit Handy verständigte. Samba röchelte auf dem Rücksitz immer schwerer und hatte schon ersten Schaum vor dem Mund, als wir ankamen – keine Minute zu früh wie der Veterinär versicherte. Sie musste nach der Behandlung noch einen halben Tag zur Beobachtung bleiben, ob sein Kreislauf das schaffen würde. Die erst einjährige Samba schaffte es. Man bedenke die Folgen, wenn neugierige Kleinkinder damit spielen wollen!
Vorsicht bei weißen Nestern in Pinien
Wenn man auf Pinien weiße Nester beobachtet, die auf den ersten Blick aussehen wie Zuckerwatte in den Bäumen, darf man sie nicht ignorieren oder „normal“ behandeln – es handelt sich um diese ganz gefährlichen Parasiten: Es sind die Kokons der sogenannten Pilgerraupen, die außerdem vorher mit ihrer Gefräßigkeit die Bäume ernsthaft schädigen. Die Problemlösung sind einerseits der Einsatz von hochgiftigen Chemikalien, oder wie es ein andalusischer Gärtner löst, der sich damit auskennt: Mit Mundschutz vorsichtig die gesamten Zweige mit den Kokons lösen und auf dem Boden kontrolliert verbrennen.
Gabriele Hefele
Siehe auch ausführlichen Bericht im Neuen Kurier, der nächste Woche erscheint.